Geiz ist Geil ist Bildung

Bildung gibt’s jetzt ganz entspannt bei Tchibo. Und weil ein moderner Student heutzutage primär per Email mit seinen Dozenten kommuniziert, schlürft die entspannte Dame im Sessel auch nicht an einer Tasse Kaffee, sondern grinst freudestrahlend in ihr Notebook.

BWL entspannt
BWL entspannt

248 Euro im Monat kostet das dreijährige und in Tri-Semestern organisierte Tchibostudium zum Diplom-Betriebswirt (FH), Prüfungsgebühren inklusive. “Erfolg vorprogrammiert”, verkündet Tchibo auf seiner Homepage.

Ein vergleichbarer Abschluss schlägt bei AKAD mit mindestens 10530 Euro zu Buche. Angesichts dieser Preisdifferenz sprechen manche vollmundig von einer “Demokratisierung der Bildung”. Dumm nur, dass PISA hier sofort einen wichtigen Denkfehler entlarvt. Bildung ist nämlich in Deutschland leider (noch) alles andere als für jede(n) zu haben. Solange unser Bildungs-“System” weiterhin einseitig Kinder aus der Oberschicht selektiert, werden Kursgebühren keine Rolle bei der Beanspruchung von Bildungsangeboten spielen.

Christian Bogner | 13.11.2007 | Digitale-Medien | Kommentare

Kein Leben mehr in Second Life

Über zwei Millionen Nutzer pflegen inzwischen ihr zweites Leben in Second Life. Unternehmen entdecken die virtuelle Welt als Plattform für reale Marketingaktivitäten.

SecondLife
Cyberspace vorübergehend geschlossen

Vom Schlafen einmal abgesehen können SecondLife (SL) Bewohner den selben Aktivitäten nachgehen, wie im realen Leben auch. Doch seit heute ist auch dieser Mangel behoben. Wie ZDNet heute meldet, ist der Zugang seit einigen Stunden lahm gelegt.

Die Second Life Präsenz der Nachrichtenagentur Reuters verschweigt jedoch die Panne. Offenbar sind auch die Agenturmitarbeiter in einen Dornröschenschlaf gefallen.

Der elektrische Reporter hat sich in der Zwischenzeit auf die Suche nach einem SL-Bewohner gemacht und wurde fündig. Im Interview mit Markus Breuer erfährt man mehr über die Faszination der virtuellen Parallelwelt, die sich manche Nutzer eine Stange Geld kosten lassen.

Der Ausfall wird kaum verhindern können, dass virtuelle Welten wie in SL sehr bald mit dem Internet verschmelzen. Wenn die Einschätzungen mancher zutreffen, werden Firmen es sich vermutlich bald nicht mehr leisten können, nicht in SecondLife präsent zu sein. Götz Hamann und Jens Uehlecke gehen davon aus, dass dem dreidimensionalen Internet die Zukunft gehört. Vielleicht verabrede ich mich in zehn Jahren ja nur noch virtuell mit Freunden für den Kinobesuch. Gut möglich. Die Packung Chips und ein kühles Bier werde ich aber sicher noch in einem echten Supermarkt besorgen müssen.

Christian Bogner | 10.01.2007 | Digitale-Medien | Kommentare

Podcasts: einfach, billig, effektiv?

Podcasts selbst herzustellen – so viel kann ich sagen – ist leider extrem zeit- und ressourcenaufwändig, außer man legt keinen besonderen Wert auf die erzeugte Qualität. Ich kenne durchaus Podcastanbieter, die mal eben ein Diktiergerät während eines Alltagsgesprächs (egal ob Dialog oder Monolog) mitlaufen lassen, das Ganze so gut wie gar nicht schneiden und dann veröffentlichen. Ich finde, das ist keine große Kunst und im Extremfall total nervig beim Zuhören. Meine erste Podcastausgabe hebt sich von diesem Niveau eigentlich nicht deutlich genug ab.

Hallo User  Logo

Meines Erachtens sollte man sich die Vorteile eines Podcasts im Vergleich zu textuellen Medien vor der Produktion klar machen (da fasse ich mich durchaus an meine eigene Nase). Für mich liegt der Vorteil von Podcasts ganz klar auf der “Bauchebene”: man ist den Sprechern sehr nah und das zu einem Zeitpunkt, den man selbst bestimmt. Diese Nähe ist kein Zufall. Vielmehr praktizieren die meisten Podcastautoren einen sonst ungewöhnlich persönlich-individuellen Stil, wie man ihn auch aus Blogs kennt.

Podcasts wirken andererseits eher passiv: ich kann mich berieseln lassen und vom Alltag ablenken. Das Stichwort “informelles Lernen” fällt dann auch ganz schnell, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass viele thematisch orientierte Podcasts mehr oder weniger auf Wissensvermittlung abzielen. Aus den Logdateien von “Hallo User” geht hervor, dass die meisten Zugriffe am Wochenende stattfinden. Der Podcast thematisiert beruflich relevante Themen. Für mich heißt das, dass scheinbar viele Mitarbeiter einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit zur Weiterbildung nutzen. Zur privaten “informellen Weiterbildung” also, wenn man so will.

Noch haben auch mäßig produzierte Podcasts aufgrund des Neuheitscharakters eine Chance und man kann die Popularität und das gleichzeitig geringe Angebot (aus-)nutzen. Doch früher oder später werden die Hörer nach mehr Qualität rufen.

Übrigens wartet meine zweite Podcastausgabe seit zwei Wochen darauf, von mir produziert zu werden. Aber irgendwie komm’ ich nicht dazu… ;-)

Christian Bogner | 10.05.2006 | Digitale-Medien | Kommentare