Podcasts: einfach, billig, effektiv?

Podcasts selbst herzustellen – so viel kann ich sagen – ist leider extrem zeit- und ressourcenaufwändig, außer man legt keinen besonderen Wert auf die erzeugte Qualität. Ich kenne durchaus Podcastanbieter, die mal eben ein Diktiergerät während eines Alltagsgesprächs (egal ob Dialog oder Monolog) mitlaufen lassen, das Ganze so gut wie gar nicht schneiden und dann veröffentlichen. Ich finde, das ist keine große Kunst und im Extremfall total nervig beim Zuhören. Meine erste Podcastausgabe hebt sich von diesem Niveau eigentlich nicht deutlich genug ab.

Hallo User  Logo

Meines Erachtens sollte man sich die Vorteile eines Podcasts im Vergleich zu textuellen Medien vor der Produktion klar machen (da fasse ich mich durchaus an meine eigene Nase). Für mich liegt der Vorteil von Podcasts ganz klar auf der “Bauchebene”: man ist den Sprechern sehr nah und das zu einem Zeitpunkt, den man selbst bestimmt. Diese Nähe ist kein Zufall. Vielmehr praktizieren die meisten Podcastautoren einen sonst ungewöhnlich persönlich-individuellen Stil, wie man ihn auch aus Blogs kennt.

Podcasts wirken andererseits eher passiv: ich kann mich berieseln lassen und vom Alltag ablenken. Das Stichwort “informelles Lernen” fällt dann auch ganz schnell, wenn man zur Kenntnis nimmt, dass viele thematisch orientierte Podcasts mehr oder weniger auf Wissensvermittlung abzielen. Aus den Logdateien von “Hallo User” geht hervor, dass die meisten Zugriffe am Wochenende stattfinden. Der Podcast thematisiert beruflich relevante Themen. Für mich heißt das, dass scheinbar viele Mitarbeiter einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit zur Weiterbildung nutzen. Zur privaten “informellen Weiterbildung” also, wenn man so will.

Noch haben auch mäßig produzierte Podcasts aufgrund des Neuheitscharakters eine Chance und man kann die Popularität und das gleichzeitig geringe Angebot (aus-)nutzen. Doch früher oder später werden die Hörer nach mehr Qualität rufen.

Übrigens wartet meine zweite Podcastausgabe seit zwei Wochen darauf, von mir produziert zu werden. Aber irgendwie komm’ ich nicht dazu… ;-)

Christian Bogner | 10.05.2006 | Digitale-Medien | Kommentare

vor